Ein voll besetzter Saal hörte gespannt den vier Vortragenden zu, die aus ihren Fachrichtungen Fakten zu dem 81 Hektar großen geplanten Gebiet für Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen auf dem Wackernheimer Plateau vortrugen.
Zunächst wurde der Strombedarf der Stadt Ingelheim im Jahre 2045 aufgrund verlässlicher Angaben durch Dieter Schacht und Wolfgang Schöllhammer (RabenkopfBürgerenergie e.G.) prognostiziert und dargestellt, welche Stromquellen (z.B. bestehende und geplante Windkrafträder) zur Deckung beitragen können. Dabei blieb ein Bedarf von 28 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr offen, der beispielsweise durch eine 28 Hektar große PV-Anlage gedeckt werden könnte. Alternative Potentiale zu dieser PV-Freiflächenanlage wurden aufgezeigt. So sind bisher nur ca. 15 Prozent der Dachflächen in Ingelheim mit PV-Panelen belegt, große Parkplatzflächen könnten überdacht werden. Schallschutzwände an Straßen oder auch die Überdachung eines Radweges sind weitere visionäre Möglichkeiten, um die benötige Stromproduktion auch ohne eine Freiflächen-PV-Anlage zu realisieren.
Die Ackerfläche zwischen Flugplatz, Humuswerk und den McCully Barracks ist ein „Kaltluftentstehungsgebiet“ führte Gisela Bräuninger aus. Hier entstehen kühle Luftströme zu Beginn der Nacht, die besonders an Hitzetagen für Kühlung und Lufthygiene in den umliegenden Siedlungen sorgen. Für die natürliche Entstehung von Kaltluft braucht es große zusammenhängende Bodenflächen mit humusreichen Böden und niedrigem Bewuchs. Dicht und flächig stehende PV-Module heizen sich an Sommertagen hingegen bis 60 Grad auf, die Kaltluftentstehungsfunktion der Fläche und damit der Einfluss auf das Regionalklima verändern sich.
Die Aufgaben der Jagdpächter, erklärte Wolfgang Fülling, sind das Sichern der Artenvielfalt und der Erhalt des heimischen Wildbestandes. Hase, Fasan und Rebhuhn sind bedroht, ihr Lebensraum würde weiter reduziert werden. Fünf Rebhuhn-Paare konnten dank Fördermittel des Landes und großem Zeitaufwand wieder angesiedelt werden. Die Umzäunung einer PV-Anlage stört hingegen den Korridor des durchziehenden Wildes, mehr Wildunfälle auf der L419 wären die logische Folge.
Jörg Weiand erläuterte aus der Sicht der Landwirtschaft den stetigen Verlust von Ackerflächen durch die Errichtung von Freiflächen-PV-Anlagen. Grundsätzlich sieht der Landesentwicklungsplan vor, dass solche Anlagen nur flächenschonend, auf ertragsschwachen, artenarmen oder vorbelasteten Acker- und Grünlandflächen errichtet werden sollten. Ertragsschwach sind Flächen mit einer Ertragsmesszahl (EMZ/Bodengüte) von unter 35. Die in Wackernheim überplanten Flächen liegen im Durchschnitt allerdings bei einer EMZ von ca. 55, d.h. sie haben eine wertvollere Bodengüte.
Es ist die einzige größere zusammenhängende Fläche in der Wackernheimer Gemarkung zur Produktion regionaler Nahrungsmittel. Die Überplanung der Ackerflächen für andere Zwecke bedeutet für die betroffenen Landwirte ein Verlust an Wirtschaftsfläche für ihre Höfe und somit eine große, existenzbedrohende Gefahr.
In der anschließenden Diskussionsrunde wurden die einzelnen Sachverhalte auch durch Betroffene unterstrichen. Festgestellt wurde, dass die im ersten Entwurf des Flächennutzungsplanes aufgezeigten Dimensionen für PV-Anlagen und Agri-PV-Anlagen (insgesamt ca. 200 Hektar) den tatsächlichen Bedarf für Stromversorgung erheblich überschreiten würde und eine präzisere Zieldefinition im Vorfeld nötig gewesen wäre.
Bedenken und Anregungen der Bürger können noch bis 11.04.2025 bei der Stadtverwaltung Ingelheim für die erste Offenlage des Gesamtplanes eingereicht werden.
Die FWG bedankt sich für die konstruktive Diskussion, die sachlichen Fachbeiträge und das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger.